Nachhaltigkeit einfach erklärt - „Graue Energie“
Teil 2: Was bedeutet eigentlich „Graue Energie“ – und wie sichern und verbessern wir den Gebäudebestand nachhaltig?
Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft umfasst mehr als energetische Kennzahlen und Baustandards. Sie schließt auch die Verantwortung gegenüber den Menschen ein, die in unseren Gebäuden leben. Für den BVE als Genossenschaft bedeutet das: Investitionen müssen ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und sozial verträglich sein. Ein zentraler Begriff in diesem Zusammenhang ist „Graue Energie“ – und zwei wichtige Kennzahlen zeigen, wie wir damit umgehen.
Was ist Graue Energie?
Als Graue Energie bezeichnet man die Energiemenge, die aufgewendet wird, um ein Gebäude zu errichten, instand zu halten, zu modernisieren und am Ende rückzubauen – einschließlich der Herstellung, des Transports und der Entsorgung der eingesetzten Baustoffe. Sie fällt also an, bevor überhaupt Energie im Betrieb – etwa für Heizung oder Strom – verbraucht wird.
Diese vorgelagerte Energie ist in der Lebenszyklusbetrachtung eines Gebäudes ein wesentlicher Faktor. Je mehr Materialien verbaut oder ersetzt werden, desto höher ist der graue Energieanteil – selbst bei energetisch sehr effizienten Lösungen. Deshalb ist eine bewusste Abwägung zwischen Erhalt, Instandsetzung und Erneuerung notwendig.
Investitionen in den Bestand: zwei zentrale Kennzahlen
Um zu zeigen, wie und wo der BVE in seinen Gebäudebestand investiert, kommen zwei zentrale Nachhaltigkeitskennzahlen zum Einsatz:
Instandhaltungsintensität (2024): 32,19 €/m²/a
Diese umfasst laufende sowie geplante Maßnahmen zur Erhaltung des Bestands – z. B. Reparaturen, Wartungsarbeiten oder bauliche Sicherungen.
Modernisierungsintensität (2024): 6,83 €/m²/a
Diese umfasst gezielte Investitionen zur Verbesserung des energetischen Standards oder zur Anpassung an heutige Anforderungen – z. B. Austausch alter Heizungsanlagen, Dämmmaßnahmen oder Fenstererneuerungen. Dieser Wert wird für 2025 deutlich steigen, da in 2024 viele Projekte in der Planung waren und erst in diesem Jahr ausgeführt werden.
Diese Kennzahlen geben an, wie viel Euro pro Quadratmeter Wohnfläche jährlich in Erhalt und Entwicklung des Bestands investiert werden.
Strategischer Umgang mit Ressourcen
Der BVE verfolgt das Ziel, seinen Gebäudebestand sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu bewirtschaften. Das bedeutet konkret:
- Bestehende Bausubstanz so lange wie möglich sinnvoll zu erhalten.
- Modernisierungsmaßnahmen gezielt dort umzusetzen, wo sie eine langfristige Effizienzsteigerung und CO₂-Einsparung bewirken.
- Bei Planung und Umsetzung die Auswirkungen auf graue Energie und den Lebenszyklus des Gebäudes zu berücksichtigen.
Im Jahr 2024 lag ein Fokus auf der Vorbereitung klimaschutzrelevanter Maßnahmen, deren Umsetzung in den kommenden Jahren erfolgt. Damit wird sichergestellt, dass der Bestand nicht nur erhalten, sondern gezielt weiterentwickelt wird – unter Berücksichtigung der energetischen und baulichen Wirkung.
Graue Energie – ein Faktor für ganzheitliche Nachhaltigkeit
Die Berücksichtigung grauer Energie unterstreicht, dass Nachhaltigkeit mehr ist als der Blick auf aktuelle Verbrauchswerte. Auch die Frage, wie viel Energie für Baumaterialien, Transport und Bauprozesse eingesetzt wird, gehört zu einer verantwortungsvollen Bilanzierung.
Durch eine vorausschauende Instandhaltungsstrategie, gezielte Modernisierungen und ein nachhaltiges Bestandsmanagement leistet der BVE einen Beitrag zur Ressourcenschonung und CO₂-Reduktion – über den gesamten Lebenszyklus seiner Gebäude hinweg.
Fazit
Graue Energie erinnert uns daran, dass nachhaltiges Handeln langfristiges Denken voraussetzt. Als Genossenschaft stellen wir sicher, dass unsere Investitionen nicht nur ökologisch wirksam, sondern auch sozial tragfähig sind.
Mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, gezielten Modernisierungen und einer aktiven Instandhaltungsstrategie sorgt der BVE dafür, dass unsere Mitglieder heute gut wohnen – und auch morgen noch gerne bleiben.