Finke geht durchs Quartier
…und verlässt an dem kleinen Haltepunkt Hochkamp die S-Bahn. Stille umfängt mich, kaum Straßenverkehr, und wenn, dann etwas teurere Fahrzeuge. Die Grundstücke sind groß, vermutlich sehr groß, die Häuser auch, die Rhododendren üppig, die Zäune und Hecken hoch. Ich bin in Nienstedten. Irgendwie scheint dies kein sozialer Brennpunkt zu sein; an der Einmündung zur Kurt-Küchler-Straße hat ein Hamburger Promi eine neue Villa bauen lassen.
In der Kurt-Küchler-Straße besitzt der BVE eine wunderschöne kleine Wohnanlage, fast eine Gartenstadt. Schön anzusehen, Doppelhäuser, aber auch kleine Geschoßwohnungen; insgesamt 25 Stück. Viel Grün, zum Teil private Gartenfläche, liebevoll instandgehalten. Die eine oder andere Wärmepumpe dreht sich bereits im Vorgarten, der technische Fortschritt lässt sich also auch hier nicht aufhalten.
Insgesamt besitzt der BVE in Nienstedten knapp 190 Wohnungen, die ich heute nicht alle besuche, sondern stattdessen im willkürlichen Zickzack Richtung Botanischen Garten in Klein-Flottbek gehe. Dort empfängt mich ein Kunstwerk von Waldemar Otto: Adam plündert sein Paradies, aus dem Jahr 1982. Was man eigentlich so gar nicht weiß, der Botanische Garten der Universität Hamburg ist zweigeteilt und ein Ausbildungsbetrieb. Er gehört zu den Top-Ausbildungsstätten im Gartenbau in Norddeutschland. Neben dem Standort in Klein Flottbek gibt es noch knapp 3.000 QM große Schaugewächshäuser am Dammtor. Beides ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert!
Nach einer Pause im Café Schmidtchen-Palme in der Mitte des Botanischen Gartens geht es unter der S-Bahn durch in Richtung Christianeum. Vorher treffe ich noch im Blumenstieg, Blumenpfad und Ohnsorgweg auf vier kleine Doppelhäuser des BVE aus dem Jahr 1909. Ein schönes Ensemble mit Gartenbereichen. Auch eine Idylle, leise höre ich die S-Bahn im Hintergrund, vor mir erscheint der Siebzigerjahre-Neubau des Gymnasiums Christianeum. Die Schule gehört zu den Top-3-Schulen in Hamburg, und auch wenn man die Architektur vielleicht nicht mag, das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Das Christianeum gibt es schon seit 1721. Nach mehreren Umzügen wurde ein Gebäude in der Behringstraße genutzt, welches jedoch aufgrund des Baus des neuen Elbtunnels und der Autobahn A7 weichen musste. Seit 1971 ist der aktuelle Standort und das Gebäude unverändert. Entworfen wurde es von Arne Jacobsen und Otto Weitling. Im Inneren ist vieles Original, auch die Kunst am Bau. Es dominiert die klare Linienführung und ein abgestimmtes Farbspektrum von Gelb- und Sandtönen über Rot, Blau, Grün und Petrol.
Dreimal um die Ecke gegangen, schon stehe ich in der Waitzstraße. Noch nicht in dem Teil, der durch seine schöne Ladenstruktur und, leider, durch einige Verkehrsunfälle bundesweite Bekanntheit errungen hat. Anscheinend animieren die Glasfronten den einen oder anderen SUV-Fahrer mit Verve in die Schaufenster der Geschäfte zu fahren. Da helfen auch keine Poller zur Abwehr. Heute aber ist nichts Derartiges geschehen, ich kann entlang der Schaufenster bummeln und die Auslagen genießen.
Etwas Appetit, und vor allem Durst auf ein frisches Bier, treiben mich an, noch eineinhalb Kilometer entlang der Reventlow- und danach der Emkendorfstraße zum Röperhof zu gehen. Seit Jahren wird in dem urigen Bauernhaus aus dem Jahre 1750 handfestes und manchmal auch ausgefallenes Essen zu nicht immer günstigen Preisen angeboten. Leckeres Eis gibt es auch, im ehemaligen Futtersilo – ich aber lasse mir mein Bier im Gastgarten bei Sonnenschein schmecken.
Herzlich
Ihr Peter Finke