Handlungsfeld: Bewegen
03/2026

Wo Nachbarschaft ins Rollen kommt

In Sülldorf trifft sich regelmäßig eine Gruppe von Nachbarn zum Boulespielen. Gespielt wird mit Ehrgeiz, Humor und Maßband – vor allem aber mit Freude am Miteinander.

Die Sonne steht an diesem Nachmittag hoch über Sülldorf. Das Boulefeld liegt in der prallen Wärme, es sind 34 Grad. Auf dem Tisch stehen Wasserflaschen bereit, und wer einen Hut dabei hat, ist klar im Vorteil. »Willst du wirklich ohne Hut spielen, Heinz?«, ruft einer in die Runde. Heinz spielt trotzdem. Ohne Hut, aber mit guter Laune.

An diesem Mittwoch sind Frank, Klaus, Peter und Heinz dabei. Sie gehören zum harten Kern der Boule-Gruppe, die sich regelmäßig im Quartier trifft. Oft sind es mehr Mitspieler, manchmal weniger. Doch wer kommt, merkt schnell: Hier zählt mehr als die Kugel, die am Ende dem sogenannten Schweinchen am nächsten liegt. Es geht ums Rauskommen, ums gemeinsame Spielen und um ein Stück gelebte Nachbarschaft.

Aus einer Idee wird ein fester Treff

Die Runde trifft sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat um 15 Uhr am Nachbarschaftstreff Sülldorf. Gespielt wird draußen auf der Boulebahn – bei fast jedem Wetter. »Wenn es nicht gerade in Strömen regnet, sind wir eigentlich immer da«, erzählt Frank, der die Gruppe organisiert und als Ansprechpartner fungiert.

Richtig ins Rollen kam der Boule-Treff im August 2023. Damals hatte der BVE zwei erfahrene Trainer eingeladen, die allen interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern die Grundlagen des Spiels erklärten: von der Wurftechnik über die Regeln bis zum Spielablauf. Mehr als 35 Menschen waren dabei. »Das war ein richtig guter Einstieg«, erinnert sich Frank. »Einige haben da zum ersten Mal gespielt – und sind dann einfach dabeigeblieben.«

Mit Maßband, Humor und Ehrgeiz

Heute liegen sechs silberne und sechs gold-bronzene Kugeln bereit. Gespielt wird in zwei Teams und natürlich wird dabei auch gezählt. Die Regeln sind schnell erklärt: Einen Punkt gibt es für jede Kugel, die näher an der Zielkugel liegt als die beste Kugel des gegnerischen Teams. Wer zuerst 13 Punkte erreicht, gewinnt.

So weit die Theorie. In der Praxis wird diskutiert, gelacht, angefeuert – und manchmal auch ganz genau hingeschaut. Ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, welche Kugel näher an der kleinen roten Zielkugel liegt, kommt schon mal das Maßband zum Einsatz. Sicher ist sicher. Schließlich sollen die Regeln eingehalten werden. Meistens jedenfalls.

An diesem Nachmittag holt das Zweierteam direkt zu Beginn vier Punkte. Das wird ordentlich gefeiert. Läuft ein Wurf besonders gut, hört man schon mal ein anerkennendes »Boaaah!«. Gelingt er weniger gut, kommt auch ein trockenes: »Ja, also das war nix.« Mal kullert eine Kugel perfekt los und driftet dann durch eine kleine Unebenheit doch noch zur Seite. Mal landet sie im Aus. Und manchmal liegt sie genau da, wo sie liegen soll.

BVE759_260811_BVE_aktuell_Digital_Export Kopie24.jpgBoule-Spaß am Heidrehmen

Mehr als nur ein Spiel

Der sportliche Ehrgeiz ist da, keine Frage. Aber er steht nicht an erster Stelle. »Boule ist für mich auch Sport. Und man kommt raus«, erklärt Heinz. Und genau darum geht es. Um Bewegung, frische Luft und den festen Termin im Kalender. Um Menschen, die sich regelmäßig sehen, miteinander sprechen und gemeinsam etwas erleben.

Heinz ist seit 61 Jahren Mitglied beim BVE. Er hatte Glück: Seine erste Wohnung beim BVE erhielt er 1965 im Losverfahren, da die Vergabe aufgrund der großen Wohnungsnot zu der Zeit gar nicht einfach war. Als seine Familie größer wurde, brauchten sie mehr Platz.

So zogen sie 1973 in eine größere Wohnung in Iserbrook. Heute blickt er auf viele Jahrzehnte im Quartier zurück. Was sich in dieser Zeit am meisten verändert hat? »Die Bäume sind so groß geworden. Es ist alles so schön grün hier in der Nachbarschaft.«

Solche Sätze zeigen, dass ein Nachmittag auf der Boulebahn oft mehr ist als nur ein Spiel. Es geht um Verbundenheit mit einem Ort. Um Erinnerungen. Um Nachbarschaft, die über Jahre wächst. Manche Mitglieder der Gruppe sind nicht mehr so oft dabei. Andere sind neu dazugekommen. So verändert sich auch eine solche Runde mit der Zeit. Was bleibt, ist die Idee.

Boule ist nur eines von vielen Angeboten in den BVE-Quartieren. Möglich werden sie vor allem durch Ehrenamtliche. Ob gemeinsames Frühstück, Preisskat, Spieletreff, Singgruppe, Nähen oder Mittagessen im Quartier: Überall dort, wo Menschen regelmäßig zusammenkommen, entsteht Gemeinschaft ganz praktisch im Alltag. Bei Kaffee und Kuchen, bei einer Partie Karten, bei einem Lied – oder eben bei einer Kugel, die hoffentlich näher am Schweinchen landet als die des gegnerischen Teams.

Neue Mitspielerinnen und Mitspieler willkommen

Frank bringt es auf den Punkt: »Boule ist ein Spiel für alle. Man muss nichts vorher können, man kommt einfach vorbei und spielt mit. Der Rest ergibt sich ganz von allein« Deshalb gilt auch hier: Neue Mitspielerinnen und Mitspieler sind ausdrücklich willkommen. »Wir freuen uns über jeden, der Lust hat mitzumachen«, ergänzt Klaus. Wer also mal vorbeischauen möchte, braucht einfach nur ein bisschen Zeit, Freude am Spiel und Offenheit für die Nachbarschaft.

An diesem sonnigen Nachmittag gewinnt schließlich das Dreier-Team mit 13:8. Lange Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht. Die Revanche folgt direkt danach. Schließlich ist noch genug Nachmittag übrig – und ein bisschen Ehrgeiz gehört bei aller Freude am Miteinander eben doch dazu.

Was ist bei Ihnen im Quartier los?

In unseren Quartieren gibt es viele Menschen, die Nachbarschaft aktiv gestalten – mit Treffen, Angeboten und eigenen Ideen.

Sie organisieren selbst etwas oder besuchen selbst ein Angebot in Ihrer Nachbarschaft?

Dann schreiben Sie uns an kommunikation@bve.de. Vielleicht stellen wir Ihr Angebot demnächst in der BVE aktuell vor.