BVE
Jahresbericht
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Handlungsfeld: Bauen | Zinsen & Baukosten
Juni 2023

Wohnungsneubau: »Wenn sich nichts ändert, kommen wir in eine Überforderung«

Steigende Zinsen, sehr hohe Baukosten, Handwerkermangel, fehlende Förderungen – die Situation könnte für die Immobilienbranche schwieriger kaum sein. Das hat zur Folge, dass viele Wohnungsunternehmen zukünftig kaum noch bauen können. Auch der BVE muss seine Neubauvorhaben jetzt kritisch auf ihre Sinnhaftigkeit prüfen.

»Eigentlich sorgen wir für bezahlbaren Wohnraum in Hamburg, aber unter den momentanen Bedingungen können wir diesen nicht mehr bauen«, sagt Axel Horn, Vorstand des Bauverein der Elbgemeinden. »Wir befinden uns in einer dramatischen Situation, da die Zinsen in kurzer Zeit massiv gestiegen sind – wir sprechen von einer Verdreifachung der Finanzierungskosten. Das bedeutet für uns auch, dass wir z. B. weniger tilgen können, wenn wir jetzt neue Darlehen aufnehmen.«

Doch die gestiegenen Zinsen sind nicht das vordergründige Problem: »Wenn wir heute neu bauen möchten, dann liegen reinen Baukosten zwischen 4.500 und 5.000 Euro pro Quadratmeter – ohne das Grundstück. Das würde im frei finanzierten Wohnungsbau Mieten von 20 Euro pro Quadratmeter bedeuten.« Eine Alternative wäre es, öffentlich gefördert zu bauen: »Das war bereits in den letzten Jahren unser Fokus, aber in der jetzigen Situation muss auch die Förderlandschaft angepasst werden. Die Anforderungen, um Förderungen zu erhalten, müssen reduziert werden.«, erklärt Axel Horn.

Kein Neubau: Und was ist mit den Klimazielen?
Diese angespannte Lage führt auch beim Bauverein der Elbgemeinden dazu, dass Neubauprojekte zunächst etwas gebremst werden. »Wenn sich nichts ändert, kommen wir in eine sehr deutliche Überforderung«, prognostiziert Axel Horn. Er erklärt: »Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, dann brauchen wir auch den Neubau. Denn es wird Teile unseres Bestands geben, bei denen sich die energetische Modernisierung nicht realisieren lässt.«

Stärkung der Quartiere
Die einzige Art von Neubau, die in Zukunft noch Sinn ergibt, ist der auf eigenen Grundstücken, um die eigenen Quartiere zu ergänzen. »Hierhin werden wir einen Teil unserer Aktivität verlagern«, ist sich Axel Horn sicher. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt am Tinnumer Weg in Billstedt: Neben einer Großmodernisierung der gesamten Wohnanlage, soll dort ein neuer Kindergarten und ein Neubau für Familien entstehen, um das Quartier für die Zukunft gut aufzustellen.

 

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