BVE
Jahresbericht
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Handlungsfeld: Wirken
November 2026

Warum der BVE bei der Wärmeversorgung auf Fernwärme setzt

Die Transformation der Energieversorgung ist eine zentrale Säule auf dem Klimapfad des BVE. Eine wichtige Rolle soll dabei die Fernwärme übernehmen. Der BVE strebt an, rund 83 Prozent des Bestands daran anzuschließen. Weitere knapp zehn Prozent sollen durch energetische Quartierskonzepte, gemeinsam mit den Nachbareigentümern, versorgt werden. Vorstandsmitglied Axel Horn erklärt, warum die Genossenschaft so stark auf Fernwärme setzt und was das für die Mitglieder bedeutet. 

Wie weit ist der BVE mit der Transformation der Energieversorgung in seinen Beständen? 
Axel Horn: Derzeit werden 43,7 Prozent des BVE-Bestands mit Fernwärme versorgt. Bis 2040 streben wir an, 83 Prozent zu erreichen. Diese Anschlüsse wollen wir bereits bis Ende 2027 weitgehend vertraglich sichern. Weitere knapp zehn Prozent des Bestands sollen über energetische Quartierskonzepte versorgt werden, also über gemeinsame Lösungen mit anderen Eigentümern. Damit wäre perspektivisch eine Anbindung von rund 93 Prozent unserer Wohnungen an Wärmenetze möglich. 

Damit sind Sie weiter als viele andere Wohnungsunternehmen. 
Axel Horn: Ja, weil wir früh angefangen haben. Vor rund 25 Jahren haben wir damit begonnen, Nachtspeicherheizungen zu ersetzen und Gebäude an die Fernwärme anzuschließen. Später haben wir kleinere Heizzentralen zusammengelegt und größere Wärmenetze aufgebaut, oft mit Blockheizkraftwerken. Diese Struktur hilft uns heute enorm. In manchen Quartieren können wir mit wenigen Fernwärmeanschlüssen mehrere hundert Wohnungen versorgen.

Statt der Blockheizkraftwerke könnten Sie auch große Wärmepumpen bauen. Warum tun Sie das nicht? 
Axel Horn: Weil das technisch und wirtschaftlich keineswegs so einfach ist, wie es manchmal klingt. Wir haben in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit größeren Wärmepumpenanlagen gesammelt, und die waren nicht durchweg überzeugend. Planung, Dimensionierung und Betrieb sind anspruchsvoll. Nicht jede Anlage erreicht unter realen Bedingungen die Effizienz, die zuvor berechnet wurde.

Zudem müssten wir erhebliche Summen investieren und dauerhaft eigenes technisches Know-how vorhalten. Mit der Fernwärme hingegen verlagern wir einen Teil dieses Risikos auf den Versorger. Das verschafft uns mehr Spielraum für andere Aufgaben, die in einer Wohnungsgenossenschaft mindestens ebenso wichtig sind. 

»Derzeit werden 43,7 Prozent des BVE-Bestands mit Fernwärme versorgt. Bis 2040 streben wir an, 83 Prozent zu erreichen.«

Welche Aufgaben sind das? 
Axel Horn: Wir wollen in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro in unseren Bestand investieren. Nur ein kleinerer Teil davon entfallen nach heutiger Planung auf Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen. Der größere Teil wird für andere Aufgaben gebraucht: für altersgerechte und möglichst barrierearme Wohnungen, für Servicewohnen, für die Sanierung älterer Gebäude insbesondere der haustechnischen Anlagen, und für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Starkregen, sommerliche Hitze und überhitzte Dachgeschosswohnungen sind längst keine abstrakten Zukunftsthemen mehr. Die komplette Dämmung von Gebäuden soll weiter die absolute Ausnahme bleiben. 

Die Fernwärme hat allerdings den Ruf, teuer zu sein. Was bedeutet die Umstellung für die Mitglieder? 
Axel Horn: Ja, momentan ist die Fernwärme noch teurer als die vorhandene Gasversorgung. Für die Mieterinnen und Mieter ist für die ersten drei Jahre nach der Umstellung eine Kostenneutralität vorgesehen. Das bedeutet: In dieser Zeit wird der BVE eine mögliche Mehrbelastung im Vergleich zur bisherigen Versorgung ausgleichen. 

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Bei aufwendigen energetischen Modernisierungen – wie zum Beispiel dem Einbau von Wärmepumpen – würden erhebliche Mieterhöhungen nötig sein. Bei einem Fernwärmeanschluss sind die notwendigen Investitionen auf der BVE-Seite häufig geringer, somit sind zusätzliche Mieterhöhungen zu den steigenden Wärmekosten zurzeit nicht geplant. 

»Auf Dauer kann Gas zum Kostenrisiko werden«

Was passiert nach den drei Jahren? 
Axel Horn: Das können wir nicht genau vorhersagen. Erdgas ist derzeit noch vergleichsweise günstig. Aber diese Momentaufnahme darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kosten langfristig zunehmen dürften. Der CO²-Preis steigt, und auch die Gasnetzentgelte könnten deutlich höher werden, wenn sich immer mehr Haushalte vom Netz abkoppeln und die verbleibenden Nutzer die Kosten unter sich aufteilen müssen. 

Nach unseren Berechnungen könnte die jährliche CO² -Kostenbelastung für unseren Bestand bis 2045 auf rund sieben Millionen Euro steigen, wenn wir an der heutigen gasbasierten Versorgung festhielten. Wenn wir unserem Klimapfad folgen und stattdessen auf Fernwärme setzen, rechnen wir in einem entsprechenden Szenario mit etwa 1,3 Millionen Euro. Solche Prognosen hängen natürlich von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die Tendenz ist aus unserer Sicht aber eindeutig: Auf Dauer kann Gas zum Kostenrisiko werden. 

Dabei wird auch die Hamburger Fernwärme heute noch zum Teil aus fossilen Energieträgern erzeugt. 
Axel Horn: Das stimmt. Ein Fernwärmeanschluss bedeutet nicht automatisch eine treibhausgasneutrale Versorgung. Aber nach den Planungen der Hamburger Energiewerke sollen fossile Erzeugungsanlagen schrittweise ersetzt und weitere Wärmequellen erschlossen werden. Der erste Schritt mit dem neuen Energiepark Hafen für das Kohlekraftwerk Wedel steht kurz bevor. 

Welche Hebel gibt es noch, um die Emissionen der Energieversorgung zu reduzieren? 
Axel Horn: Ein wichtiger Hebel ist die Optimierung der Anlagen. Dafür arbeiten wir mit den Firmen Green Fusion und Energiezentrale Nord zusammen. Die Unternehmen überwachen und steuern die Heizungsanlagen digital. In bisherigen Auswertungen waren Einsparungen in einer Größenordnung von bis zu zehn Prozent möglich. Wie hoch sie tatsächlich ausfallen, hängt immer von den jeweiligen Gebäuden und Anlagen ab. (mehr lesen) 

Und welche Rolle spielt künftig selbst erzeugter Strom? 
Axel Horn: Eine sehr wichtige. Derzeit statten wir Gebäude mit insgesamt rund 4.000 Wohnungen mit Photovoltaikanlagen aus. Gleichzeitig prüfen wir, ob die Flächen in unseren bisherigen Heizhäusern künftig für große Batteriespeicher genutzt werden können. Hier ist ein weiteres Potential von 3.000 Wohnungen. Die Idee dahinter ist, Solarstrom im Quartier zu erzeugen, zwischenzuspeichern und den Mitgliedern zu möglichst stabilen Konditionen anzubieten. In welchem Umfang daraus Preisvorteile entstehen, können wir noch nicht seriös vorhersagen. Aber hier sehen wir eine Chance, die steigenden Wärmekosten zumindest teilweise abzufedern. 

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